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Narrenzunft Bockstall Weingarten 1982 e.V. Weingarten

Ansprechpartner:
Wolfgang Zimmermann
Wolfeggerstr. 46
88250 Weingarten

Narrenruf: Vo' mir aus - - laß dr' Bock raus
weitere Infos: www.nvbockstall.de

Die Entstehung des Narrenvereins Bockstall

Im März 1982 wurde der Narrenverein Bockstall im Gasthof Bären gegründet. Die Idee einen Narrenverein in der Oberstadt in Weingarten zu gründen geht bereits zurück an den Anfang der 60iger Jahre.

Im Gasthof Rosengarten in der Oberstadt in Weingarten wollten schon damals einige alteingesessene Oberstädtler einen Narrenverein gründen.

Das ganze Vorhaben hat sich zu dieser Zeit aus verschiedenen Gründen wieder zerschlagen.

Die Idee wurde 1981 von Wolfgang Zimmermann, Alfred Schrade und Hans Löscher wieder ins Leben gerufen.

Man wollte eine alte Tradition in Weingarten wieder neu beleben die „ Ober-stadtfasnet.“ Auch wenn seither beiderseits der Wolfegger Strasse neue Wohngebiete entstanden sind, in denen sich zahlreiche Neubürger von außerhalb niedergelassen haben, so glaubte man doch dass sich noch genügend Eigenleben und Traditionsbewusstsein gerade in diesem Teil von Weingarten erhalten hat, um in zeitgemäßer Form an altes Brauchtum anzuknüpfen.

Der Verein wollte nicht nur nostalgische Erinnerungen wachrufen, sondern gerade auch die junge Generation und die Familien ansprechen. Dazu gehörte nicht zuletzt die Gründung einer eigenen Schalmeienkapelle.

Der Bock

Der Name Bock wurde früher anders übersetzt, “bok” bedeutete schlagen. Ein solcher “Bock” in einem Stall am Mühlbach hat vermutlich der Halde über der Hefefabrik bis zum Wald den Namen “Bockstall” gegeben.

In der Oberstadt in Weingarten wurde im 16. Jahrhundert ebenfalls Flachs auf einem hölzernen Bock aus Rinde geschlagen. Um das Ganze witterungsbeständig zu machen, wurde ein Stall über den Bock gebaut. Dieses ganze Flurteil nannte man Bockstall. Diesen Namen hat jener Flurteil von Weingarten bis heute behalten.

Da in Altdorf - Weingarten die älteste Viehzucht die Schafzucht war, und diese Schafzucht auf dem Flurgebiet “Bockstall” betrieben wurde, hat der Narrenverein dieses Tier zur Verkörperung des “Bockes aus Holz” in eine Narrenfigur umgesetzt. (Maske von Theo Lehenberger entworfen).

Wilder Mann

Der Name des malerischen Scherzachtals zwischen Weingarten und Schlier, das an jeder Wegbiegung ein neues, bald lieblich idyllisches, bald düster geheimnisvolles Landschaftsbild für den stillen Betrachter bereit hält, war die Heimat des Geschlechtes Wildeman oder Wildelüte, namentlich genannt erstmals um das Jahr 1220 im Lauratal.

Es ist geschichtlich verbürgt, dass zu der Zeit, als das Rittertum verfiel, im Lauratal Raubritter hausten, die aus dem Hinterhalt über Kaufmannszüge herfielen, wenn diese auf der Waldstrasse dahin zogen, die damals als Handelsweg eine große Bedeutung für die Kaufleute hatte.

Der Schöne Kasimir

In seiner Jugend und in den besten Mannesjahren war er in Bergatreute Bauernknecht.

Er hat es aber nie lange bei ein und demselben Bauern ausgehalten.

Der Kasimir liebte die Freiheit, die Natur und den Most.

Als er älter wurde und ihn niemand mehr in Dienst nahm, nächtigte er in Scheunen, ging von Hof zu Hof, um sich dort seinen Lebensunterhalt zu er-betteln. Endlich kam er als Viehtreiber zu einem Weingartner Viehhändler. Seine Aufgabe war es das vom Händler in der Umgebung auf-gekaufte Vieh auf den Bauernhöfen abzuholen. Nie hätte der Kasimir auf ein Stück Vieh eingeschlagen; denn er sagte sich, das Vieh sei auch von Gott erschaffen worden. Es lieferte dem Menschen die Milch, Fleisch, ja sogar seine Haut.

Wollte einmal eine Kuh oder ein Ochse auf dem Weg nach Weingarten gar nicht mehr gehen, setzte sich der Kasimir an den Wegrand, sang einige Strophen, ließ das Vieh grasen und dann ging es auch wieder. Der Kasimir behauptete, auch das Vieh wäre musikalisch, bei einem Liedchen vergesse es sogar, dass man es zur Schlachtbank führte.

Leichensager Marie

Auf den Bauernhöfen und in den Weilern um Weingarten war man früher darauf bedacht, rechtzeitig zu erfahren, wenn in Weingarten jemand, den man gut kannte, verstorben war. Vielleicht musste man dann auch zur „Leich“. Noch um die Jahrhundertwende wurde nicht auf allen Bauernhöfen eine Tageszeitung gehalten und gelesen. Nachrichten über eingetretene Todesfälle wurden jeweils von den so genannten Leichensagerinnen bis in das letzte Bauernhaus hinausgetragen.

Am bekanntesten war Maria Kesenheimer. Im Volksmund sprach man nur von der Leichensager Marie; im Adressbuch von 1927 wird sie als “Leichensagerin” genannt. Kam nun in der Stadt ein Todesfall vor, ging die Marie im Sommer wie im Winter hinaus auf die Höfe, um von Haus zu Haus die “Leich” anzusagen. Sie schob immer einen alten Kinderwagen vor sich her, um das “Vergelt´s Gott” einzusammeln. Für das Überbringen der Todesnachricht und für die Einladung zur Teilnahme an der Beerdigung erhielt die Leichensagerin jeweils ein kleines Geschenk als “Vergelt´s Gott”.

Je nachdem, wie das “Vergelt´s Gott” ausgefallen war, lachte oder “bruttelte” die Marie bis zum nächsten Bauernhof.

Hatte sich das Ansagen der Leich gelohnt, konnte es sein, dass sie den Kinderwagen beim Zunachten singend nach Hause schob.

Der Bockstallkönig

Der Bockstallkönig hieß Christian Reichert und war Landwirt.

Den Spitznamen Bockstallkönig erhielt Christian Reichert, weil er den Tag fast immer damit verbrachte, dass er vor seinem Haus saß, jenem Flurstück, das nach alter Überlieferung heute noch Bockstall heißt, und seinen Besitz mit einem Gewehr in der Hand  gegen mutmaßliche oder tatsächliche Diebe und Einbrecher verteidigte.

Mit dieser Angewohnheit versetzte der Wunderling gar manchen Zeitgenossen in Angst und Schrecken. Christian Reichert wachte aber nicht nur über sein verbrieftes Hab und Gut, sondern betrachtete das gesamte Wohnviertel als seinen Herrschaftsbereich, über den er mit Argusaugen wachte.                    

Die Babett

Nicht vergessen werden darf die BabettPadent. Sie war eine stämmige, energische Frau, verheiratet und wohnte auf dem Kirchplatz. Ihr Gemahl hatte bei ihr  wohl nie etwas zu bestellen.

Wenn die Babett ihre kräftige Stimme erschallen ließ, hatte ihr Ehemann zu schweigen. Den Kaffee musste er sich am frühen morgen selber machen. Sie ging in ein Bauernhaus im “Doggenried”, und trank zumFrühstück anstatt Kaffee einen Humpen Most. Dann ging sie in den Stall, arbeitete, wo es Arbeit gab.

Acht bis zehn Liter Most pro Tag, das war für die Babett nicht zu viel und fast zum “Verdursten”. Im Winter hatte die Babett mit ihrem Mann, einem Tagelöhner, auf der Kirchentreppe und vor der Basilika den Schnee wegzuräumen. Wenn es auch 20 und mehr Grad unter Null waren, oder es während der Nacht tiefen Schnee geworfen hatte, die Babett war am frühen morgen zur Stelle, spuckte in die Hände und arbeitete wie ein Mann.

Kam ihr während der Arbeit jemand in die Quere, konnte es schon sein, dass sie ihn anschrie oder gar den Besen nach ihm warf: ”Wenn’s dir itg´fallt, noch bleibst drhoim!”. In der Anrede des Betreffenden war Babett nicht wählerisch. Ihre kräftige Stimme war selbst in der Basilika zu hören. Sie war fleißig, aber man musste sich ihr fügen.

Der Konzet Karle

Der Konzet Karle entstammte einer angesehenen Bürgerfamilie. Karles Vater war ein überaus fleißiger Mann. Er hatte immer neue Ideen und war im Fortschritt der Zeit vielen seiner Mitbürger voraus. Nur Sohn Karle schlug etwas aus der Art.

Bereits als Bub war er einer der Ersten, wenn es galt, die Kameraden zu “verhauen”: Bald darauf bekam er es mit der Polizei zu tun, und sie mit ihm.

Doch der Karle zog sich immer aus der Schlinge; wurde im Städtchen ein Streich geliefert, der Karle war dabei. Vor ihm war kein Fisch im Wasser sicher. Aus dem “Stillen Bach” holte er sie mit bloßen Händen heraus. Wenn man ihn fragte: “Karle, wie machst du das?” antwortete er: “Naliega, ins Wasser lange, d’Fisch am Bauch kitzle, zulanga, rausnemma!” War ihm ein neuer Streich gelungen, erzählte er alsbald seinen Kameraden offen davon, noch ehe die Polizei  Kenntnis davon erhalten hatte.

Was kümmerte es den Karle, wenn man ihn dann wieder für ein paar Tage einmauerte.

Es war nun einmal so seine Art, er meinte gelegentlich selbst, er könne nicht anders. Konnte er die Stadtpolizisten hinters Licht führen, freute man sich im Städtle, man hielt zum Karle. Man war ihm trotz seiner Streiche nicht böse; er gehört zu den Mitbürgern, die auch nach ihrem Tode im Volksmund in Erinnerung bleiben.