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NZ Karsee Butze-Dätz e.V. 1994 Karsee

Ansprechpartner:
Markus Schöllhorn
Steißen 1
88239 Wangen

Narrenruf: Butze Dätz
weitere Infos: www.nz-karsee.de

Entstehungsgeschichte

Am 1. Juli 1994 gründete der Karseer Bürger Max Haller die Narrenzunft Karsee. Dreißig Personen traten der Zunft in der Gründerversammlung bei, wovon achtundzwanzig als aktive Mitglieder des Vereins eingetragen wurden. Mittlerweile umfasst die Narrenzunft Karsee rund 156 Mitglieder, knapp 60 Prozent davon sind während der Fasnet mit Leib und Seele dabei. Noch heute sind nicht alle - aber die - Meisten - der Butze Dätz Einwohner dieses Dorfes, welches eigentlich nur 640 Einwohner zählt. Aber auch von außerhalb treten immer mehr Leute in den Verein ein und verstärken unsere Präsenz bei Umzügen und anderen Veranstalt-ungen. Während die Zunft anfangs noch in den Kinderschuhen steckte und sich im Laufe der Jahre einen Namen machte, trat sie 1999 als Gastzunft dem ANR bei, um vier Jahre später als vollwertiges Mitglied aufgenommen zu werden. Die Häser, sowie Maske und Ruf sind der Geschichte des Dorfes und seiner Umgebung nachempfunden.

Der Butze Dätz

Versetzen wir uns in das Jahr 1650… Die Kirche war damals 450 Jahre alt. Der See schmiegte sich noch an den Kirchberg. Ein Dorf im heutigen Sinne gab es noch nicht. Die Rochuskapelle wurde gerade gebaut, um sie dem heiligen Rochus, dem Patron der Pestkranken zu weihen. Carse ( damalige Schreibweise ) gehörte dem Kloster Weingarten. Eine furchtbare Hungersnot herschte. In dieser Zeitepoche, in der Entsagungen, hohe Steuern, Raub und Mord an der Tagesordnung waren, kam als zusätzliches Unglück noch der schwarze Tod, die Pest dazu. Sie wütete 10 lange Jahre (ca. 1650 – 1660). Diese Krankheit ist das tiefgreifendste Ereignis in Karsee seit Bestehen unseres Dorfes bis in die heutige Zeit. Die verstorbenen Mitbürger wurden, um das Ansteckungsrisiko zu senken, außerhalb des Dorfes begraben. In Carse nutzte man die höher gelegene Totensteige, um diesen Vorsichtsmaß-nahmen nachzukommen. Während einer solchen Fahrt auf der Totensteige fiel eine Pestkranke, die man für tot gehalten hatte, vom Wagen und erwachte zu neuem Leben. Die Wiedererweckte hat mit ihrer Fruchtbarkeit sehr zum Weiterbestehen unseres Dorfes beigetragen, denn nachdem die Pest sich ausgetobt hatte, lebten hier noch drei Familien, eine alte Frau und ein Pferd. Diese Zeit war eine Katastrophe für unsere Heimat gewesen. Die Figur, die der Butze Dätz darstellt, hat ein zweigeteiltes Gesicht. Die Maske zeigt auf der einen Seite ein trauriges, krankes, von der Pest gezeichnetes Gesicht mit eitrigen Pestbeulen. Auf der anderen Seite zeigt sie ein gesundes, lachendes Gesicht für die Fröhlichkeit, die Erleichterung und das wieder erwachte Leben der Menschen nach dieser großen Notzeit. Unser "Häs" entspricht den Kleidern der Menschen im Mittelalter und ist diesem nachempfunden. An den Stiefeln und an dem Stecken, der zum Häs gehört, befinden sich Schellen. Der Stock (Stecken) diente dem Pestkranken als Gehhilfe. Die Schellen galten als Warnung und Hinweis: Achtung! Da kommt ein Pestkranker, ein Aussätziger!

Der Schwede vom Birkenbühl

Der Schwede vom Birkenbühl ist eine authentische Figur aus der Zeit des dreißigjährigen Krieges. Er entstammt der Überlieferung, dass in der Nähe von Karsee, Brenner, im Schwedenkrieg eine Schlacht stattgefunden haben soll. Um die Gefallenen zu begraben, nutzte man nach Beendigung der Kämpfe besagtes Schlachtfeld. Noch heute pflückt aus diesem Grund niemand Beeren auf diesem historischen Gelände, um die Toten ja nicht zu erzürnen. Der dreißigjährige Krieg, in welchem diese Schlacht stattgefunden haben soll, fand in den Jahren 1618 bis 1648 statt. Bei uns in Karsee, soll sich der Schwede etwa im Jahr 1633 befunden haben. Die schwedischen Landsmänner kämpften auf äußerst brutale und rücksichtslose Weise, sie schreckten angesichts ihrer prekären und oft hoffnungslosen Situation vor nichts zurück. Ihr Ruf eilte ihnen mancher Orts voraus und hinterließ in der Bevölkerung Angst und Schrecken. Das historische Häs des Schweden von Birkenbühl, welches ausschließlich dem Zunftrat vorbehalten ist,soll an die vielen gefallenen Schweden erinnern, die fern ihrer Heimat und ihrer Frauen, in fremder Erde begraben liegen. In der mündlichen Überlieferung nennt man diese Wiese heute noch "Totenloch". In der offiziellen Flurkarte von 1885 wird von der "Birkenwiese", (heute Birkenbühl) gesprochen. Die schnell wachsende Birke stand mit Erhabenheit auf diesem Mahnmal unserer Heimat. Über Jahrhunderte hat sie dazu beigetragen, die Ereignisse aus dem Mittelalter nicht in Vergessenheit geraten zu lassen. Die Birken, die früher auf dem Schlachtfeld standen und der letzten Ruhestätte der Gefallenen ihren Namen gaben, stehen heute leider nicht mehr. Vielleicht könnte man sonst noch aus dem Blätterrauschen das Grauen erahnen.

Die Pfründner

Der Pfründner und die Pfründnerin sollen daran erinnern, dass Karsee und die umliegenden Weiler, lange Zeit dem einstigen Amt Vorderösterreich, sowie der Herrschaft Altdorf Weingarten und teilweise dem Kloster Weingarten zugehörig waren. Von den Klöstern wurden zur damaligen Zeit (so ab dem 15. Jh.) einige Pfarrhofstellen zur Bewirtschaftung auf Zeit übertragen. Dies geschah mittels Verpfändungsverträgen, was bedeutete, dass die Besitzrechte jährlich erneuert werden mussten. Ein Bauer auf solch einem Anwesen wurde als Pfründner bezeichnet. Die Häser des Pfründners und der Pfründnerin sind der Zeit entsprechend nachempfunden. Die Pfründner konnten durch die Begünstigungen der Klöster etwas freier und selbstständiger handeln als andere und hatten deshalb eine bessere Stellung innerhalb der Gesellschaft inne. Auch in der Kleidung unterschied man sich zum einfachen Volk, man präsentierte sich etwas herrschaftlicher und war finanziell in der Lage, sich farbigere Stoffe zu leisten. Allerdings, und daran sollen die Flicken auf unseren Häsern erinnern, lebten auch die Pfründner nicht im Überfluss. Sie mussten einen Teil der erwirtschafteten Güter (meist ein Drittel) an das Kloster und die Herrschaft von Altdorf Weingarten abgeben. Oft blieb auch ihnen nur die Möglichkeit, ihre Kleidung bei Bedarf mit den zur Verfügung stehenden, einfachen Mitteln, zu reparieren. Pfründner: Der Pfründner trägt ein sandgelbes Wams, Kragen und Manschetten sind in einem mittleren Braun gehalten. Die Hose ist in einem kräftigen Grün gehalten und mit ein paar bunten Flicken besetzt. Dazu gehört ein brauner Ledergürtel mit Schnalle, der lose in der Taille getragen wird. Zu normalen braunen Straßenschuhen werden stiefelhohe Schlupfgamaschen aus braunem Leder getragen. Ein auf dem Kopf getragener, grüner Hut mit Spielhahnfedern, sowie eine braune Umhängetasche runden das Häs des Pfründners ab. Pfründnerin: Die Pfründnerin trägt ebenfalls ein sandgelbes Wams. Zum Häs dazu gehört ein fast bodenlanger Rock, welcher durch sein kräftiges Grün und ein paar bunte Flicken besticht. Gebunden wird dieser in der Taille, generell sind Rockbund, Bänder, Kragen und Schnürungen aus ein und demselben braunen Stoff. Zu den normalen braunen Schuhen werden ein paar gestrickte braune Wollgamschen getragen. Als Kopfbedeckung dient ein blaues, hinten gebundenes Kopftuch.