Brauchtums-Ausschuß
Der ANR-Brauchtums-Ausschuß beim Ringtreffen 2011 in Biberach
v.l.n.r: Bendel Doris, Heine Andreas, Halbhuber Helmut, Peter Rosi, Ingrisch Christian, Pfarherr Gabi (Leitung), Fath Peter, Cadouot Rene
Brauchtumer-Tagung in Geislingen
Hauptaugenmerk gilt der Brauchtumspflege Brauchtumertagung der Schwäbisch-Alemannischen Narrenverbände in Geislingen brachte viele neue Erkenntnisse
Die diesjährige Brauchtumertagung der Schwäbisch-Alemannischen Narrenverbände fand am Samstag in Geislingen statt. Als Ausrichter fungierte der Narrenfreund- schaftsring Zollern-Alb. Zu Gast weilten Delegierte aus acht Narrenvereinigungen, die sich beim diesjährigen Treffen einer umfangreichen Tagesordnung widmeten. Im Mittelpunkt der Diskussionen standen der Wertewandel in der Fasnet wie auch das Vorgehen am „Schmotzigen Donnerstag“ im Zusammenhang mit dem Besuch der Kindergärten und der Schülerbefreiung.
Mit dem Geislinger Schloss als Tagungsort hatte der Ausrichter einen historischen Ort mit einer langen Geschichte und anspruchsvollem Ambiente gewählt. Den Auftakt bildete neben einem Sektempfang ein von Stadtarchivar Alfons Koch geführter Ausflug durch die Geschichte des Schlosses, der auch mit zahlreichen Informationen über die ehemaligen Schlossherren gespickt war. Im Anschluss stellte Bürgermeister Oliver Schmid die 6100 Einwohner zählende Stadt Geislingen mit den Stadtteilen Erlaheim und Binsdorf vor. Die sich ebenfalls im Schloss befindende Zunftstube der Narrenzunft Geislingen erwies sich im Tagesverlauf als idealer Tagungssaal. Bevor die Tagungsleiterin Anja Uttenweiler in die Tagesordnung einstieg, war es der stellvertretende Präsident des Narrenfreundschaftsringes Zollern-Alb, Harald Freudenmann, der die Brauchtumsvertreter herzlich willkommen hieß. Im Anschluss gab es von Jens Birkle von der Narrenzunft Geislingen interessante Ausführungen über die sehr rührige örtliche Narrenzunft. Nach der Abarbeitung des Protokolls aus der letzten Brauchtumertagung beschäftigten sich die Brauchtumer aus dem Alemannischen Narrenring, der Narrenvereinigung Hegau-Bodensee, der Narrenvereinigung Kleggau, dem Närrischen Freundschaftsring Neckar-Gäu, dem Narrenfreundschaftsring Schwarzwald-Baar-Heuberg, der Schwarzwälder Narrenvereinigung, dem Verband Alb-Bodensee-Oberschwaben, der Vereinigung Freier Oberschwäbischen Narrenzünfte und des Gastgebers mit der Gestaltung der Kindergartenbesuche sowie der Schülerbefreiung am Schmotzigen Donnerstag und den daraus resultierenden Erfolgen und Problemen. Das Ergebnis des Erfahrungsaustausches war, dass der Besuch dieser Institutionen durch die Narrenzünfte ein ideales Werkzeug zur Pflege und Weitervermittlung von Brauchtum darstellt, die Erzieher, Lehrer und möglichst auch die Eltern allerdings einbezogen werden müssen, um den größtmöglichen Erfolg zu haben und um Problemen aus dem Weg zu gehen. Während der Rundumdiskussion kamen aus der Versammlung etliche gute Lösungsansätze und Ideen. Nach einem gemeinsamen Mittagessen, bei dem auch die Kameradschaftspflege unter den Tagungsteilnehmern nicht zu kurz kam, widmete man sich ausführlich dem Wertewandel in der Fasnet in Verbindung mit der Rückbesinnung zu den Wurzeln. Zu diesem komplexen Thema gab es verschiedene Ansichten. Man war sich jedoch im Klaren, dass die Vermittlung der traditionellen Fasnet nur durch das eigene Erleben möglich sei, da die Fasnet aktive Beteiligung verlange. Einsicht herrschte gegenüber der Tatsache, dass auch die Fasnet gesellschaftlichen Veränderungen unterliegt. So gelte es, das Verhältnis zwischen echtem Fasnetsbrauchtum und einfacher Partyunterhaltung so zu gestalten, dass bestimmte Grundwerte, unter die auch beispielsweise die Häsordnung fällt, erhalten bleiben und dennoch Neues zugelassen wird. Von allen Brauchtumsvertretern wurde hierbei die Rolle des Zunftmeisters unter die Kategorie „sehr gewichtig“ eingestuft, da von ihm die eigentlichen Impulse ausgehen.
Ein weiteres Thema war die Ethik-Charta des Bundes deutscher Karnevalsvereine (BDK). Diesbezüglich sah man jedoch keinen aktuellen Handlungsbedarf, da genau dessen Vorgaben bereits in den Zünften der Südwestdeutschen Narrenvereinigungen umgesetzt werden. Des Weiteren berichteten die anwesenden Brauchtumer über ihre Stellung innerhalb ihrer eigenen Vereinigungen und über die Gestaltung und Umsetzung ihrer Aufgaben. Besonders gefragt sind sie bei der Anschaffung neuer Häser. Ein expliziter Diskussionspunkt war auch noch der nicht immer problemlose Umgang mit Presse und Medien. Die Versammelten sähen es sehr gerne, wenn dem närrischen Brauchtum seitens dieser Institutionen mehr Aufmerksamkeit gewidmet würde und mehr Raum zur Verfügung stünde. So könnten Brauchtumspflege und Fasnetswirken detaillierter im Vergleich zu reinen Party- und Unterhaltungsveranstaltungen dargestellt werden.
Das Fazit der Tagungsleiterin Anja Uttenweiler fiel am frühen Samstagabend dann positiv aus. Die Zusammenkunft der Arbeitsgemeinschaft hatte wieder viele neue Erkenntnisse gebracht. Im kommenden Jahr wird diese dann von der Schwarzwälder Narrenvereinigung ausgerichtet, 2011 ist der Narrenfreundschaftsring Schwarzwald-Baar-Heuberg an der Reihe.



